Davon, wie DRS und KERS versagt haben
DRS, KERS, weniger Abtrieb – alles hat nicht wirklich viel geholfen. Auch mit diesen Neuerungen
blieb die erhoffte Überholorgie beim Formel 1-Saison Auftakt in Melbourne aus. Eine letzte
Hoffnung bleibt:
Es ist an der Zeit, dass nicht mehr die reine Platzierung über die Punktevergabe entscheidet.
Als Jenson Button Mitte des Rennens Felipe Massa endlich überholt, ist es für ihn schon viel zu
spät. Zu Beginn des Rennens hat er sich mit dem Brasilianer über eine Vielzahl von Runden ein
Duell geliefert, in dem der Champion von 2009 trotz KERS und DRS keinen Weg fand, am Ferraristi
vorbeizukommen. Wenig später, so scheint es, gibt Button entnervt auf, kürzt ab und erhält
vollkommen zu Recht eine Durchfahrtsstrafe. Dass er, wie erwähnt, später Massa doch noch auf
legale Weise überholt und so noch auf P6 vorfährt, ist für ihn nur ein schwacher Trost.
KERS und DRS – ihr habt versagt! Das ist nicht nur die Botschaft dieses Duells, sondern wohl auch
des gesamten ersten Saisonrennens.
Somit schlugen wohl auch die letzten Versuche fehl, Formel 1-Rennen künstlich spannender zu
machen und Überholmanöver en masse zu provozieren – und so bleibt die erste Runde zusammen
mit dem Start das alles Entscheidende in der modernen Formel 1.
Es müssen also neue Überlegungen angestrengt werden, die Formel 1 und vor allem deren Rennen
wieder spannender und interessanter zu gestalten.
Eine mögliche Lösung kam mir am Sonntagmorgen in den Kopf, die zwar nicht mal im Ansatz
ausgereift, vom Prinzip aber vielleicht dennoch nicht so schlecht ist.
Die Idee ist einfach. Es wird nicht mehr nur die reine Platzierung gewertet, sondern auch die Zeit,
mit der der einzelne Fahrer über die Ziellinie fährt.
Ich will nicht großartig außen herumreden – schauen wir uns das Konzept am Beispiel des GP von
Australien an.
Man nimmt die Zeit des Gewinners, in unserem Fall Sebastian Vettel, in Sekunden, also 5370,259
Sekunden, als 100%-Marke und wertet ihn als Gewinner mit 100 Punkten.
Der Zweitplatzierte, unser aller Lewis, hat 5392,556 Sekunden gebraucht, das entspricht 99,57%
der Vettel-Bestmarke. Um nun aber eben nicht nur die Zeit, sondern auch die tatsächlich erreichte
Position zu gewichten, wird der Prozentanteil anschließend mit dem Faktor 0,9 multipliziert. Der
Dritte erhält den Faktor 0,8, danach wird er immer um 0,05 heruntergestuft, so kann sich z. B.
Mark Webber als Fünfter noch über ein 0,7 freuen. Spätestens ab dem ersten Überrundeten wird
mit dem Faktor 0,5 gerechnet. Die weniger zurückgelegte Runde wird mit der schnellsten Runde
des betroffenen Fahrers ausgeglichen. Punkte gibt es nach wie vor für die Topten.
Soweit die die Theorie, aber ich lasse mal lieber Zahlen sprechen:
Sollte eigentlich alles soweit einleuchtend sein, Buemi war der Erste, der überrundet wurde.
Was das neue System bringen soll?
1. Alle müssen bis zum Ende der 305 Kilometer Vollgas geben. Also kein Reifen- und Motorschonen
schon 15 Runden vor Schluss!
2. Dadurch erleben die Zuschauer Action bis zur letzten Kurve, weil jede Sekunde weniger Abstand
zum Führenden mehr Punkte bringt.
3. Rundenlanges Blockieren des schnelleren Hintermanns macht keinen Sinn mehr.
4. Dadurch werden die Überholmanöver von alleine kommen, weil sonst das Rennen beider Fahrer
zerstört wird.
Mir ist wohl bewusst, dass diese Idee noch in den Kinderschuhen steckt und in keiner Weise
vollständig oder gar perfekt ist. Ich glaube, eine Systemänderung ist wegen der Schwierigkeit des
Überholens weiterhin nötig. Vielleicht ist das hier ein erster Schritt in die richtige Richtung,
vielleicht lachen mich auch alle, die das hier gelesen haben, jetzt auch aus.
Vielleicht werde ich mir die Mühe machen und die nächsten Rennen einmal mit meinem System
werten und danach mit dem aktuellen vergleichen.
Ob da Unterschiede sind? Man wird sehen.
Fabian Herbst Q 12
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