Lehrerporträt Herr Blase

Herr BlaseWenn es etwas gibt, dass Schüler gleichermaßen mit ihren Antagonisten Lehrern verbindet, dann ist das wohl das morgendliche Ritual, sich für den bereits begonnenen Tag zu motivieren.
Manch einer joggt um 6 Uhr durch die dunklen Straßen von Marktbreit, ein anderer stellt sich den Wecker eine halbe Stunde früher, um sich dann selig noch ein mal herumdrehen zu können, wenn denn der nervtötende Weck-Schrei gerade durch Mark und Bein geht.
Wie aber, so stellten wir uns vor die rätselhafte Frage, schafft es ein disziplinierter Mann wie Herr Blase, die Tücken des Morgens zu überwinden?

 

-Eine ordentliche Ladung schwarz-braunen Koffeins und 2 Tageszeitungen.
 Außerdem, und das überraschte etwas, verbringt er die eine Stunde zwischen Auferstehen und Arbeitsweg mit der gewissenhaften Erledigung von Hausarbeit. Als eingespieltes Team mit seiner Frau, überhaupt kein Problem, meinte er.
Auf die -unsererseits- lächerliche Frage, ob er denn schon ein mal verschlafen hätte, entgegnete er souverän und etwas stolz, dass ihm so etwas noch nie unterlaufen sei. Wir schämten uns fast, diese unpassende Frage eingeworfen zu haben.

 

Nun war also das Eis gebrochen und wir wagten uns an spannendere Themen:
Idole, Stars, Vorbilder. Gab es jemanden, der Sie als junger Kerl inspiriert hat, Herr Blase?
- Oh sicher! Die Beatles waren wirklich eine tolle Truppe. Heute vor allem Kabarettisten wie Urban Briol.
-Gab es denn auch Personen, an denen sie sich vielleicht mehr orientierten?
-Damals in der 10. Klasse, mein Wirtschaftslehrer. Er hat mich  dazu gebracht, die Fächer zu studieren, die ich heute unterrichte.

 

Also eine Bilderbuchkarriere, das ist schön. Aber gab es denn nicht auch andere Träume, Ziele, die sie als junger Mensch verwirklichen wollten?

 

-Reisen. Doch, ich  habe in meinen jungen Jahren viele Reisen unternommen.
Mein Vater arbeitete bei der Bahn und so konnte ich mit Freifahrtscheinen ganz Deutschland unsicher machen.
Später habe ich dann die Landschaften Alaskas und die Fjorde Norwegens gesehen, aber auch Ägypten und Assuan. Einmal stand keine 20 Meter von uns ein Grizzly,   aber meine Frau und ich kamen noch einmal mit dem Schrecken davon.

 

Also auch der Nervenkitzel spielt eine gewisse Rolle, wir verstehen. Da waren sie ja ein richtiger Abenteurer und Draufgänger. Was war denn ihr größter Dumme-Jungen-Streich, den sie begangen haben?

 

-Oh, da entsinne ich mich spontan an eine Schneeballschlacht im Klassenzimmer.

 

Im Klassenzimmer?

 

-Hm, es war am AKG. Ein Klassenzimmer im Kellergeschoss und man konnte den Schnee direkt vom Fensterbrett zur Schneeballproduktion verwenden. Na ja, die Tafel war dann gleich mitgewischt. Sogar mitten im Unterricht flog ein Geschoss knapp an der Referendarin vorbei und löschte sie aus.

 

(...)?

 

-Also die Tafelanschrift natürlich.

 

Was hat sie unternommen? Also die Lehrerin?

 

-Sie gab nach der Stunde ihren Job auf.

 

Also Herr Blase...!

 

-Jetzt muss ich aber fairerweise dazu sagen, dass ihr Schwiegervater Dozent für Naturgeographie war und -wie's der Zufall will- mir das außerordentliche Glück beschieden war, ihn als Student beehren zu dürfen.

 

Was sicher nicht ganz so prickelnd war?

 

-Ich hatte ein schlechtes Gewissen, ja. Aber er hat nichts von diesem „Zwischenfall“ je mitbekommen. Ich hatte ihn persönlich in sehr guter Erinnerung.

 

Sie haben es ihm nie gesagt?

 

-Nein, das hätte vielleicht Nachteile mit sich gebracht...

 

Etwas, möglich. Jetzt haben sie aber doch erfolgreich studiert, ihre Referendariatszeit auch im Winter gut überstanden und heute sind sie hier in Marktbreit. Wie lange bauen denn schon Marktbreiter Schüler den Namen Blase in ihren „Guten Morgen“-Gruß mit ein?

 

-Seit 1990. Vorher war ich in Schweinfurt.

 

20 Jahre also, sie haben ja ganz Generationen belehrt. Wo wir gerade bei den Schülern sind.
Viele antworten auf die Frage, wie sie denn Herrn Blase charakterisieren würden, mit etwa diesen Umschreibungen:
 „Herrisch, er weiß, was er will. Setzt sich oft durch, bei Gelegenheit muss man auch mal zurückschreien. Aber dennoch ein lustiger Zeitgenosse, der die Stimmung gewollt oder ungewollt immer mal wieder auflockert.“
Wie würden sie ihr eigenes Lehrer-Schüler-Verhältnis beschreiben?

 

-Im Prinzip genau so, wie ich gerade beschrieben wurde. Es gab einmal einen Fußballtrainer in München, der ein Buch herausgegeben hat mit Titel „Zuckerbrot und Peitsche“. Das ist auch mein Mott.“

 

Also nach Bismarcks Lehren?

 

-Sozusagen. Es gehört immer beides dazu, ein geordneter Unterricht muss einfach stattfinden.

 

Aber das Menschliche sollte auch bewahrt werden?

 

-Nach Möglichkeit.

 

Trotz aller Lehrpläne. Was ist denn das schönste Erlebnis, das sie überhaupt mit dieser Schule in Verbindung bringen können?

 

-Das sind wohl die alle paar Jahre stattfindenden Abiturtreffen. Wenn man sieht, was aus den Schülern geworden ist, die man so lange schon begleitet hat auf ihrem Weg.

 

Ihr Job, der ja doch viel ihrer Zeit beanspruchen wird, ist sicherlich ein großer Teil ihres Lebens. Was gibt es denn außer dem Beruf noch für Werte, „Dinge“, die eine große Rolle in ihrem Leben spielen?

 

-Wenn ich in 2 Jahren in den Vorruhestand gehe, dann werde ich mich auf jeden Fall viel mehr um meinen Garten kümmern. Des weiteren gibt es diverse Hobbys, zu denen ich seit Jahren nicht mehr dazu komme: Geschichtsforschung und Briefmarkensammeln zum Beispiel.

 

Was lässt sie denn nicht mehr die Briefmarken sammeln?

 

-Es gibt sehr viel Arbeit in der Schule, ich habe gleich mehrere Leistungskurse, insgesamt unterrichte ich momentan 12 Klassen. Und jetzt kommen noch die 3 Klassen vom Herrn Hinz dazu, bei denen ich in jeder einzelnen noch eine Ex schreiben muss.

 

Ein verschmitztes Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen, schämte mich aber sofort dafür und versuchte mit der Nachfrage abzulenken, ob er denn nach gewissen Werten lebe.
Also Ansehen, Geld, materielle Dinge, Reisen, etc.

 

-Reisen natürlich, wie schon erwähnt. Aber man sollte in seinem Leben vielleicht gewisse Gerechtigkeit erlangen, das wäre mein Ziel.

 

Inwiefern Gerechtigkeit?

 

-Man sollte seinen Mitmenschen, mit denen man zusammen lebt, arbeitet, lernt. Denen sollte man mit einer ausgleichenden Gerechtigkeit entgegenkommen.


Auch das stammt wiederum nicht von mir, sondern von einem gewissen griechischen Philosophen namens Aristoteles. Er meinte, dass Gesetze für alle gleich sein müssen, also auch wenn man selbst was angestellt hat, dass man sich den Gesetzen gleichermaßen unterziehen muss.

 

Also Einstecken und Austeilen?

 

-So kann man das sagen, ja.

 

Nach ihrer Auffassung ist also ein gewisser Grad an Disziplin unerlässlich.
Wie würden sie denn die Disziplin an unserer Schule beschreiben?

 

- (nach längerer Überlegung:)
Ich würde sie durchaus so bewerten, dass sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern eine bessere
Disziplin da sein könnte. Bei Kollegen, dass sie pünktlicher zum Unterricht erscheinen und ihre Schulaufgaben rechtzeitig korrigieren würden. Bei Schülern ähnlich die Pünktlichkeit und dass sie dem Unterricht an sich mehr Aufmerksamkeit schenken könnten.

 

Wir verfielen in eine kleine Debatte über das G8, in dem die klaren negativen Seiten, nämlich zu wenig Freizeit, klar ein Grund dafür ist, dass  individuelle Einbringung ins Schulleben(Zirkus, Theater, etc.) seltener wird oder sich zu Lasten der Noten auswirkt.
Die zeitliche Belastung der Oberstufe, die sogar an manch einem Samstagen die Schulbank drücken muss, aber auch die Aufwertung der mündlichen Note.
„Es ist von der Politik gewollt“- so seine knappe, diplomatische Antwort auf die Frage, was er davon halte.

 

Herr Blase, würden sie denn irgendetwas anders machen in ihrem Leben?

 

-Ja. Ich würde niemals wieder Geographie studieren, wenn ich noch einmal vor der Entscheidung stünde. Eher ein Kernfach wie Mathematik oder Deutsch.

 

Dabei Reisen sie doch so gerne. Geographie passt doch wie die Faust aufs Auge...

 

-Sicher, aber wenn man bedenkt, dass ich 12 Klassen unterrichte derzeit, muss ich einfach sagen, dass ich bei einem Kernfach und Wirtschaft/Recht einfach weniger Stress hätte.
Außerdem würde ich einfach mehr Zeit mit der Familie verbringen, was natürlich auch damit eng zusammenhängt.

 

Wenn sie sich jetzt mit 4 Adjektiven beschreiben sollten. Welche würden sie dafür hernehmen?
Jetzt gebe ich ihnen aber keine zur Auswahl, nicht dass sie dann sagen: „Genau so hätte ich mich auch beschrieben!“

 

- Hartnäckig.

 

Mit Hang zur Sturheit?

 

-Durchaus. Dann  bin ich...arbeitsgeil.
(Anmerkung: Er hat es leise Geflüster, ihm fiel aber erst später ein nüchterneres Synonym
ein: 'arbeitssüchtig'.)

 

Dafür muss man sich jetzt nicht wirklich schämen, Herr Blase! Wir bleiben bei arbeitsgeil.

 

-Dann versuche ich wie gesagt noch ausgleichend gerecht zu sein und unternehmungslustig bin ich!

Na, da haben wir ja die vier Adjektive schon zusammen.
Letzte Frage: Was war ihr schönstes Geburtstagsgeschenk?

 

-Hm, das ist schwierig zu beantworten. Es gab so viele schöne Geschenke.
Meine Familie finanzierte mir einmal eine Reise nach Westengland, Land's End.
Es hatte immer viel mit Freizeit zu tun, Theaterkarten und ähnliches.

 

Obgleich wir exotischeres vermutet hatten, wie ein Stück auf dem Mond zum Beispiel, haben wir ihn dann doch schweren Mutes gehen lassen.

Vielen Dank, Herr Blase, für das Interview.
Auf dass sie noch zwei gerechte Jahre hier in Marktbreit verbringen werden!

 

Felix Tremmel und Alexander Draheim

 

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