Vom Wasser und dem Glück

Vom Wasser und dem GlückSo wenig wie man einen Wassertropfen fassen und ihn in der Hand festhalten kann, so verhält es sich mit dem Glück.
Doch ist es nicht leichter, zu erklären und zu verstehen, weshalb ein Tropfen kühlen Nasses sich so verhält wie es Mutter Natur erzogen hat?
Natürlich, die Oberflächenspannung ist so stark und doch so schwach,  wenn sie auf unsere raue Haut trifft. Unser Handfläche zerstört den Zusammenhalt der Wassermoleküle, die
daraufhin - einem kleinen Rinnsal gleich - unseren Handrücken hinuntergleiten.
Soviel zur Physik!
Wie sieht es aber  mit der Metaphysik, den zwischenmenschlichen und nicht zwischenmolekularen Bindungen, aus?
Ein Gebiet wohl, so groß wie das Universum selbst, ein Makrokosmos im Mikrokosmos sozusagen. Aber genug jetzt der überdrüssigen Fachsimpelei - zurück zu unserem „Glücks-Wassertropfen“. Ein Moment purer Zufriedenheit, der völlig frei ist von allem Nebensächlichen, allem Kleinen. Wenn man so will, dann „scheint alles so nichtig und klein“.
Ich denke, das trifft es ziemlich gut.
Ob man wie in dem berühmten Lied so über den Dingen schwebt, das weiß ich nicht.
Wohl aber ist mir bewusst, dass man das Leben am Schopfe packt, ihm genau in die Augen sieht und es sagen hört: „Hi! Wie geht’s dir?“
Das eigene Leben fragt, wie es einem geht!
Absurd? Vollkommen daneben?
Eigentlich sind es doch nur Begrifflichkeiten.
Ein jeder würde diesen Glücksmoment anders beschreiben, und doch meinen alle das gleiche.
Weiß jedermann doch auch, dass das Leben ein Auf und Ab, ein Rasen und Rasten ist.
Wenn man im Hier und Jetzt noch selig zufrieden ist, so kann es im nächsten Augenblick schon anders aussehen.
Und gerade in Zeiten schlechter Laune versucht man sich gerne mit schönen Erinnerungen an vergangene Tage oder Momente zu trösten.
Oft aber muss man einsehen, dass man den heutigen Tag, und nicht vergangene, ergreifen muss.
Woran man also beim Auffangen eines Wassertropfens denken muss, ist … nichts!
Ja, man sollte nichts denken, wenn man etwas Wundervolles erlebt!
Keine Dankbarkeit, keine Missgunst, keine Wertung und kein Überlegen.
Genießen!
Ja, genießen muss man den schönsten Augenblick, um ihn voll auskosten zu können.
Denn der Wassertropfen – ist er erst einmal geronnen – wird nicht wieder zu ein und demselben Wassertropfen werden, nie wieder.
Umsonst wäre das Mühen, sich mit diesem Sisyphos messen zu wollen, umsonst wäre es jedoch auch, nie wieder einem Wassertropfen auf der Hand einen kurzen Moment des Verweilens zu gönnen.
Was also tun?
Sei dir bewusst, dass du Glück nur in der Gegenwart erfährst und vergangenes Glück eine wundervolle Erinnerung ist, die dir aber nicht als Leitfaden für dein Handeln im Hier und Jetzt dienen kann und soll.

 

Felix Tremmel, Q11

 

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