Zirkussamstag des Zirkus Gymnelli
Am 20.10.2010 war es wieder soweit: Der Zirkussamstag stand an, und es wurde wieder fleißig geübt.
Um 13:00 Uhr standen wir dann pünktlich wie die Maurer auf der Matte und konnten begeistert zusehen, wie die Zirkusteilnehmer frisch gestärkt nach ihrer Mittagspause wieder ans Werk gingen.
Wir waren beide überrascht, wie freundlich und herzlich wir aufgenommen wurden. Nachdem wir uns unserer Schuhe entledigt hatten, fanden wir uns sogleich in den beiden Turnhallen wieder, die als perfekte Räumlichkeiten dienen sollten.
Soviel Platz war auch dringend nötig, immerhin kamen rund 130 Athleten, Akrobaten und Turnkünstler vorbei. Und obwohl die Stimmung wie in einer sehr großen Familie war, hatte man dennoch einen straffen Zeitplan zu erfüllen.
Wir haben einiges gesehen, tolle Tricks, atemberaubende Manöver ein paar Meter über dem Boden und Flugrollen, Flickflacks, Salti...
Aber das Schönste, was wir immer sehen konnten, war das Lachen von jedem einzelnen. Denn allen hat es Spaß gemacht, und obwohl die meisten schon seit 10:00 Uhr da waren und die Hallen erst wieder um 16:00 Uhr verließen, tat das dem Ganzen auch keinen Abbruch.
Das Herz des Zirkus ist Frau Clobes, die soviel Zeit und Herzblut in die Sache steckt, dass man schon mal mit den Ohren schlackern kann.
Wir waren begeistert von ihrer Truppe und wollten wissen, was denn eigentlich ihre Ziele mit so vielen talentierten jungen Leuten seien. „Ich will keine Starartisten aus ihnen machen, das soll nicht Sinn von Gymnelli sein. Aber sie sollen auch nicht herkommen, weil sie sonst nichts zu tun haben. Jeder wird nach seinen Talenten gefördert und auch gefordert, aber an erster Stelle steht der Teamgeist!“
Und den merkt man, in der Tat. Aber wie funktioniert das bei so vielen Leuten?
„Das Prinzip ist einfach: Wenn jemand etwas Neues erlernt hat, dann bringt er es den Kleineren bei. Davon profitieren die Kleinen, die etwas dabei lernen können, genauso wie die Großen, und schon hat man eine kleine Familie beisammen!“
Während wir sie befragten, kam ein Sechstklässler, der sich eine kleine Wunde zugefügt hatte. Frau Clobes ergriff natürlich sofort die Initiative und versorgte ihn mit einem Pflaster, während sie danach mit jedem einzelnen ein paar Worte wechselte. Sie hatte zu jedem - ob Fünft- oder Zwölftklässler - eine eigene Beziehung, die jedem das Gefühl vermittelte, beachtet und gefordert zu werden.
Natürlich muss die ganze Sache auch mit etwas Disziplin gewürzt werden. So muss jeder eine Jonglierprüfung ablegen, in der man ein paar Dutzend Mal sein Können unter Beweis stellen muss, unabhängig davon, ob man nun als Seilkünstler oder Jongleur weitermachen möchte.
„Ich möchte, dass jeder von allem etwas kann. Nur so kann man seinen Horizont erweitern und sich guten Herzens für die für ihn passende Sache entscheiden.“
Geübt wird bei Anfängern wie Fortgeschrittenen am Montag bzw. Mittwoch in der siebten und achten Stunde.
Die Fünft- bis Siebtklässler, die zu den Anfängern gehören, bekommen zusätzlich noch Hausaufgaben auf - meistens Jonglierübungen - die zusammen etwa ein bis zwei Stunden pro Woche in Anspruch nehmen.
Die werden natürlich kontrolliert, wobei keiner vorgeführt werden soll, der es noch nicht perfekt beherrscht. Denn alle führen ihr Können gleichzeitig vor und werden dann von Frau Clobes beurteilt und mit Tipps und Ratschlägen versorgt.
Aber wollen wir doch einmal die „Zirkusleute“ selbst sprechen lassen:
Interview
Grauzone: Wie oft habt ihr Training, und wie viel Zeit investiert ihr für den Zirkus (auch zu Hause)?
Zirkusleute: Wir als Fortgeschrittene haben mittwochs drei Stunden Training und trainieren auch zu Hause, meist eine halbe Stunde am Tag.
Wer ist eigentlich Fortgeschrittener oder Anfänger?
Schüler der 5. bis 7. Klasse sind im Allgemeinen Anfänger, aber nur die, die das erste Jahr mitmachen. Ab der 8. Klasse gehört man zu den Fortgeschrittenen oder alle, die das zweite Jahr schon dabei sind.
Wie seid ihr zum Schulzirkus gekommen?
Johannes: Ich war mit sieben Jahren öfters in der Vorstellung.
Milan: Über Muriel, meine große Schwester.
Jonny: Durch meinen Bruder und meine beiden Schwestern.
Seid ihr eine zusammengeschweißte Gemeinschaft, oder macht jeder „sein eigenes Ding“?
Auf jeden Fall eine „zusammengeschweißte Gemeinschaft“, jeder hilft jedem.
Habt ihr vor, nach dem Abi oder der Schule mit dem Zirkus weiterzumachen, auch beruflich vielleicht?
Beruflich eher nicht, nur hobbymäßig. Dabeibleiben würden wir aber schon.
Habt ihr euch schon mal verletzt beim Üben?
Johannes: Nasenbluten oder leichte Prellungen kommen vor.
Milan: Ja, eine Fersenbeinentzündung.
Jonny: Ja, z. B. Platzwunden, Verstauchungen.
Müsst ihr euer Können immer vor allen beweisen, oder übt ihr im Training alleine oder in kleineren Gruppen?
Wir machen die meisten Sachen in kleineren Gruppen, meistens zu zweit.
Wann habt ihr euren nächsten Auftritt?
Die große Aufführung ist Ende Mai, dazwischen evtl. kleinere Auftritte.
Wie viel müsst ihr für so einen Auftritt proben?
Sehr viel; jeder hängt sich im Training rein und gibt sein Bestes, gerade an den Zirkussamstagen.
Gibt es da auch Hauptrollen oder Leute, die eher weniger machen?
Jeder tut, was er kann. Aber natürlich gibt es bei Vorstellungen Artisten, die eher im Mittelpunkt stehen.
Wie groß ist das Lampenfieber vor einem eurer Auftritte?
Johannes: Letztes Jahr war die Angst vor den vielen Zuschauern schon groß. Ich hoffe, dieses Jahr wird es besser.
Milan: Beim ersten Mal groß, doch beim zweiten nicht mehr.
Jonny: Bei Anfängern sehr groß, bei Fortgeschrittenen eher weniger bzw. nicht mehr. Bei ganz speziellen Übungen kann es vorkommen, dass man dann Lampenfieber bekommt.
Und jetzt wollen wir das Ganze mal genau wissen:
Welche Tricks habt ihr denn alle auf dem Kasten?
Für Diabolo gibt es zum Beispiel Aufzug, Peitsche oder die kleine Weltreise.
Bei Adagio lernt man unter anderem Vorwärtsflieger, Waschmaschine und Böppel.
Der Spanische Hang und das Mondkind werden beim Arial Ring erlernt, und auch die Tuch-Akrobatik erfreut sich großer Beliebtheit. Da sind die Jesus-Figur und der Taucher graziös und toll anzusehen.
Felix Tremmel / Felix Schlereth
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Bilder: Felix Tremmel / Felix Schlereth





































































